Klinik für
Neurologie und klinische Neurophysiologie

Botulinumtoxin-Behandlung
Medikament / Präparate

Botulinumtoxin-Behandlung

Botulinmtoxin ist das Exotoxin des Bakteriums Clostridium botulinum. Es handelt sich um einen Proteinkomplex aus dem eigentlichen Neurotoxin, Haemagglutininen und einem nicht toxischen Protein. Man kann acht Serotypen von Botulinumtoxin unterscheiden (Typ A-H), von denen Typ A und B zum klinischen Einsatz kommen.

Die erste Beschreibung des Botulismus, einer systemischen Nahrungsmittelvergiftung,  erfolgte durch den Arzt Justinus Kerner (1786-1862), der bereits die Behandlung von Hyperkinesien diskutierte. Die Entdeckung des Erregers erfolgte durch den Mikrobiologen van Ermengem (1851-1932).

1980 wurde Botulinumtoxin A erstmals von dem Ophthalmologen A. Scott in Zusammenarbeit mit E. Schantz zur Behandlung des Strabismus und im Verlauf auch des Blepharospasmus eingesetzt.

Wirkung:

Nach der subcutanen oder intramuskulären Injektion verteilt sich Botulinumtoxin durch Diffusion im Gewebe und gelangt an seinen Wirkort, die Nervenendigungen (Synapsen), wo es an die präsynaptische Membran bindet und wird dann in die Nervenendigung aufgenommen. Anschließend wird das Toxin in eine leichte und eine schwere Kette gespalten, von denen die leichte Kette an der Zellmembran der Nervenendigung ihre Wirkung entfaltet, wodurch es zur Blockade der Freisetzung des Botenstoffes Acetylcholin kommt, was im Muskel zur schlaffen Lähmung, an der Haut zur Schweißsekretionsstörung führt.

Wirkeintritt/Wirkdauer:

Die Wirkung tritt nach frühestens drei Tagen bis zu zwei Wochen ein und hält in der Regel nach Injektion in den Muskel drei Monate an. Während dieser Zeit wird das Toxin abgebaut. An den behandelten Muskeln kommt es zu keiner bleibenden pathologischen Veränderung; während der Behandlung kommt es zu einer gewünschten Muskelatrophie (Volumenabnahme des Muskels).

3 Präparate von Botulinumtoxin A kommen zum Einsatz:

  • Botox ®
  • Dysport®
  • Xeomin®

Daneben gibt es ein Präparat von Botulinumtoxin B: Neurobloc®

Nebenwirkungen: Da Botulinumtoxin innerhalb von drei Monaten vom Körper abgebaut wird, sind alle Nebenwirkungen reversibel.

Wenn Botulinumtoxin durch Diffusion an Muskeln gelangt, an denen eine Wirkung unerwünscht ist, kann es zu Lähmungen kommen. Systemische Nebenwirkungen, also den ganzen Organismus betreffende Wirkungen, treten praktisch nie auf.

Nebenwirkungen, die bei der Behandlung der einzelnen Krankheitsbilder auftreten können, werden dort aufgeführt.

Kontraindikationen einer Behandlung mit Botulinumtoxin sind:

  • Erkrankungen des neuromuskulären Übergangs (z.B. Myasthenia gravis)
  • Ausgeprägte Myopathien (Muskelerkrankungen) und Motoneuronerkrankungen
  • Schwangerschaft und Stillzeit
  • Gerinnungsstörungen (eine Therapie mit gerinnungshemmenden Medikamenten stellt eine relative Kontraindikation dar)

Antikörperbildung:

Bei ca. drei bis acht Prozent der chronisch mit Botulinumtoxin A behandelten Patienten mit cervikaler Dystonie  treten Antikörper gegen das Toxin auf, was zu einer Wirkabnahme bzw. einem Wirkverlust führt. Bei den anderen Indikationen ist das Auftreten von Antikörpern seltener. Häufige und hochdosierte Injektionen fördern die Bildung von Antikörpern.

[Quelle: Botulinumtoxin, Wirkprinzip und klinische Anwendung, M. Naumann, Uni-Med, 2. Auflage]